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Indien - das Land der Gegensätze
von Cosima Eickmeier
„Miteinander leben – voneinander lernen“, dieses Motto während meines Auslandspraktikums der letzten fünf Monate in Mumbai/Indien möchte ich zum Abschluss noch mal aufgreifen. Mein Einsatz in Mumbai (Bombay) hat auf mich einen bleibenden Eindruck hinterlassen; ich komme mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken wieder zurück. Indien hat viele schöne Seiten, wie die Vielfalt der Kultur, die Landschaft, die indische Mentalität (sie ist überwiegend herzlicher) etc., aber auch traurige, wie die vielen Bettler, Behinderten und die Menge an Müll. Die Menschen leben in für unsere Verhältnisse sehr ärmlichen und engen Behausungen, Armut ist überall präsent. Und doch scheinen die Inder ein „glückliches“ Leben zu führen, denn arm ist nicht, wer in ärmlichen Hütten lebt. Diese Leute sind und haben etwas, ein Haus bzw. eine Hütte, sie stehen über jenen, die kein Haus besitzen. Arm ist auch nicht, wer mit seinen wenigen Habseligkeiten auf der Straße lebt, denn er ist frei, und diese Freiheit besitzt keine Regeln, die er befolgen muss.
Für viele Deutsche ist es schwer vorstellbar, dass diese Inder „glücklich“ sind bzw. ein zufriedenes Leben führen, doch aus eigener Kraft können sie nichts verbessern ... ihnen bleibt keine andere Wahl. Kinder aus dem beschriebenen Milieu erfahren keine Erziehung – ohne Erziehung keine Schule, ohne Schule keine Ausbildung oder Studium und somit auch kein geregeltes Einkommen. Die Kinder und Jugendlichen haben keine Chance auf eine gute Bildung, weil ihnen das Geld dazu fehlt. Das Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen sie sich durch Betteln auf der Straße, an den Bahnhöfen, durch Prostitution oder durch Jobs/Arbeiten, die keiner besonderen Ausbildung bedürfen. Es gibt nicht wie in Deutschland vom Staat aus ein System, wie z.B. Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld, das den Menschen wenigstens ein Minimum an Lebensexistenz sichert. Eine solche Versorgung ist unvorstellbar sowie unbezahlbar für Indien.
Das CHILD-Projekt
Ein erster Schritt ist es, den Menschen gezielte Unterstützung zu bieten, und diese erhalten Familien mit Kindern vom CHILD-Projekt („Children of HIV Positive Individuals Living in Dignity”), in dem ich die meiste Zeit gearbeitet habe. Das CHILD-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Familien mit HIV & AIDS betroffenen Angehörigen Fürsorge, Unterstützung und Vorsorge zukommen zu lassen. Das CHILD-Projekt bietet ver-schiedene Dienste an: Unterstützung für eine Einkommensgeneration, ärztliche Beratung und Hilfe, Unterstüt-zung in der Ernährung und Erziehung sowie psychosoziale Unterstützung. Das CHILD-Projekt möchte die Familien wieder zu einem selbständigen Leben ohne Abhängigkeit von anderen führen.
Daneben führt das CHILD-Projekt zahlreiche weitere Aktivitäten durch:
- Monatliche Hausbesuche bei den Familien zu Hause, Besuche der Mitarbeiter im Krankenhaus, um sich über spezifische Themen wie AIDS-Tests zu in-formieren,
- Camps für die Jugend und Familien,
- Straßentheater für eine Jugendgruppe,
- Aufklärungs-Programme über HIV/AIDS und Maßnahmen (Verhütung) in Schulen, Communities sowie in Kollegs und
- monatliche Unterstützungstreffen verschiedener Gruppen zur Information, Aufklärung und Beratung.
Zu erwähnen ist, dass durch das CHILD-Projekt nur Familien mit Kindern Unterstützung erhalten. Kommen Anfragen von Familien ohne Kinder bzw. Familien, bei denen nicht mindestens eines der Familienmitglieder mit HIV infiziert ist, werden sie an andere Organisationen verwiesen.
Für all diese Aktivitäten und Unterstützungsangebote wird Geld gebraucht, sei es für die „Rationsbags“ als monatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt, für das Mittagessen der Teilnehmer während der Treffen, für Ernährung der Familien, für Medizin, für Schulmaterialen oder Schuluniformen, für Informationsunterlagen zu den Unterstützungstreffen etc.
All das ist nur ein Tropfen auf dem heißem Stein, wenn man es im Verhältnis zur gesamten Situation in Indien betrachtet. Für die einzelnen Familien aber bedeuten diese Hilfen konkrete Unterstützung und einen Schritt in ihre Selbständigkeit.
Was bleibt...
„Miteinander leben – voneinander lernen“ – ich habe mit den Indern in Indien gelebt, meine Zeit mit Familien vom CHILD-Projekt sowie mit Kindern verbracht, aber auch mein eigenes Leben in Indien geführt. In diesen fünf Monaten habe ich eine Menge von meinen Kollegen, Freunden, aber auch von den Kindern und Familien gelernt. Und ich habe die Kultur Indiens ein wenig verstehen gelernt. Für diese bereichernden Eindrücke und Erfahrungen bin ich sehr dankbar!
Jedem, dem sich die Chance bietet, eine Reise ins Ausland zu machen und gleichzeitig in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten, würde ich raten, diese Chance zu nutzen. Es sind prägende Erfahrungen für das Leben!
Herzlich möchte ich mich bei allen Spendern, auch im Namen des CHILD-Projektes sowie der Organisation CCDT, bedanken, die „mein“ CHILD-Projekt durch ihre Spende unterstützt haben! Aber auch für Ihr Interesse an meiner Zeit in Indien sowie die begleitenden Gebete bedanke ich mich sehr!





