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Angekommen in Itá

von Judith Ströhle

Hola a todos!

Nach einer Woche hier in Itá muss ich euch die tausend Eindrücke, die hier auf mich eingestürzt sind, einfach mal kurz mitteilen. Im großen und ganzen gefällt es mir hier sehr gut, meine Gastfamilie kümmert sich wirklich rührend um mich und wenn das so weiter geht, habe ich bald ein Figurproblem. Um dem entgegenzuwirken gehe ich jeden Morgen um 6 Uhr, manchmal auch früher auf einem Fußballplatz ein bisschen joggen (=auf spanisch trotar) und zwar nicht allein: Ich habe eine ganze Meute “Bodyguards” um mich herum, die aufpassen, dass mir nichts passiert: Da sind Jorge (11), Patricia (6), el Negro. Er heißt eigentlich Carlos - Alberto, aber alle nennen ihn aufgrund seiner sehr dunklen Haut „Negro“. Und natürlich der Direktor Celso, bei dem ich wohne. Er begleitet uns allerdings im Auto, da er Kinderlähmung hatte und nicht gehen kann. Ab und zu spielen wir auch Fußball (das funktioniert hier als Frau also doch, es gibt viele Mädchen, die ebenfalls Fußball spielen). Anfangs war mir das unangenehm, dass alle wegen mir so einen Aufstand machen aber mittlerweile sind die Kids motivierter als ich und schmeißen mich jeden Morgen aus dem Bett.

In der Schule

Die Arbeit in der Schule gefällt mir auch sehr gut. Und ich bin von den Strukturen, die hier herrschen, wirklich ziemlich beeindruckt. Es gibt hier neben Instrumentalunterricht (Geige, Bratsche, Cello, Flöte, Gesang, Trompete, Harfe und Klarinette) auch jede Woche an zwei Tagen Theorieunterricht in Gehörbildung, Solfege, Tonsatz und Bachchoral statt. Das ganze gliedert sich in zehn Klassenstufen, die jeder durchlaufen muss. Danach ist man selbst Lehrer und unterrichtet wiederum die Jüngeren.
Genauso funktioniert das mit dem Instrumentalunterricht: die etwas Fortgeschritteneren unterrichten die Kleinen und bekommen dafür auch ein minimales Gehalt.
Auf diese Weise ist die Schule auch ohne fremde Hilfe von außen in der Lage zu überleben. Dies ist jedoch gerade im Augenblick tatsächlich ein Überlebenskampf, da gerade wieder mal Gelder gestrichen wurden, die nun dem Militär und der Politik zukommen.
Aber gerade in diesen Situationen kann man sehen wie die Leute hier zusammenhalten und mit welch einem Engagement sie sich für ihre Schule einsetzen.

Stromausfall - doch die Musik spielt weiter

Was das musikalische Niveau betrifft, so ist das natürlich nicht mit Deutschland zu vergleichen - zumindest nicht, was die Technik betrifft.
Die Kids bringen sich vieles gegenseitig oder selbst bei und habe alle Noten im Kopf. Es gibt kaum Individualunterricht und  für manche Instrumente ist überhaupt keine professioneller Lehrer vorhanden. Zudem sind die meisten Instrumente und vor allem die Bögen hier in katastrophalem Zustand.
Saiten werden oft einfach wieder zusammen geknotet ....
Aber trotz allem ist es unglaublich mit welcher Begeisterung die Kinder und Jugendlichen hier zusammen kommen und Musik machen.
Gestern Abend ist mitten in der Orchesterprobe der Strom ausgefallen (wegen politischen Demonstrationen in der Hauptstadt). Anstatt aufzuhören haben alle einfach weitergespielt und versucht, das Stück eben ohne Licht zu vollenden. Nachher hat man mir erklärt, dass sie oft ein Stück ohne Noten spielen, um ihr Gedächtnis zu trainieren.

Von Anfang an gefordert

Wirklich überrascht und ehrlich gesagt ein bisschen überfordert bin ich von den hohen Erwartungen, die sie in mich als Psychologin setzen.
Viele haben mich schon angesprochen, ob ich nicht mal bei ihnen vorbeikommen könnte, sie hätten eine Schwester, einen Cousin, eine Tante ... die große Probleme haben und unbedingt mit mir sprechen wollen. Einerseits freue ich mich über diese Offenheit, die man ja als Psychologe in Deutschland nicht so gewohnt ist. Andererseits habe ich das Gefühl, dass sie alle die Lösung für ihr Problem von mir erwarten. Außerdem ist das Ganze noch ein bisschen komplizierter, wenn die Sprachkenntnisse gerade dafür reichen mich im Alltag durchzuschlagen. Naja, auf jeden Fall spannend. Aber bevor ich irgendwas mache muss ich erst mal ankommen und verstehen wie das Leben hier funktioniert.
Ich kämpfe gerade mit der “Hitze” (35 Grad sind eigentlich keine Hitze, im Sommer werden es normalerweise 45 -50 Grad - keine Ahnung wie man das überleben soll!!!)

So und nun zum Schluß wollte ich noch kurz erwähnen, dass Itá, die Stadt in der ich wohne, anstatt eines Marktplatzes einen kleinen See hat, in dem 8 Krokodile leben. Uneingezäunt!!!! Und die Kinder stehen oft bis zu den Knien im Wasser und angeln. Son locos los Paraguayos!!!!!

Viele Grüße, ich hoffe es ist schön kalt in Deutschland!

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