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Vom Maisfeld über Geröllfelder, Fels und Sandstrand ins pulsierende farbenfrohe Kairo

Unsere Begegnungsreise begann mit der Ankunft am Flughafen in Kairo, wo wir von einer kleinen Delegation sehr herzlich empfangen wurden. Im Minibus, unser Gepäck, wie in Ägypten üblich, aufs Dach geschnürt, ging es in einer etwa 8-stündigen Fahrt auf der Wüstenseite am Nil entlang nach El Minia. Es sei zu erwähnen, dass, sobald wir in der Region angekommen waren, all unsere Aktionen unter Polizeigeleitschutz standen und die Polizisten, die ihre Maschinengewehre permanent geschultert mit sich herumtrugen, uns nicht mehr von der Seite wichen. Touristen werden in Ägypten ganz "besonders beschützt", denn sie sind eine der Haupteinnahmequellen des Staates und da wir uns in einer Region aufhielten, die nicht so stark, wenn überhaupt touristisch erschlossen ist, und noch dazu soziale Aktivitäten in Dörfern unternahmen, durften wir, ohne vorher die Polizei zu informieren, nicht vor die Türe gehen. Aber das war ja alles NUR zu unserer eigenen Sicherheit!
Die ersten Tage verbrachten wir in der Jesuits' and Brothers' Association und erhielten Präsentationen über die Organisation, deren Arbeitsfelder und Programme, ebenso wie wichtige Hintergrundinformationen zur Entwicklungshilfe und der Zusammenarbeit zwischen den NGOs in Ägypten. Hier trafen wir auch auf die ägyptischen Jugendlichen, die ein zweijähriges "social leadership"-Programm bei der Association absolviert hatten und uns die ganze Reise über begleiteten. Wir wurden offen und sehr freundlich aufgenommen und sofort in die Gruppe integriert. Abends wurde gemeinsam gesungen, getanzt, gefeiert, gespielt oder in der Bibel gelesen.
Exposure in und um El Minia
Unser erstes kleineres Projekt galt den Kindern und Jugendlichen in einem Dorf namens Sharawi im Süden der Provinz El Minia. Wir wurden voller Freude erwartet und sangen, bastelten und spielten mit den Kindern und Jugendlichen.
Um einen Eindruck davon zu bekommen, was es heißt als einfacher Bauer, behinderte Person oder Frau in einem kleinen ägyptischen Dorf zu leben, verbrachten wir die nächsten zwei Tage in Kleingruppen in Familien in verschiedenen Dörfern. Wir durften deren Alltag miterleben, mussten uns den täglichen Herausforderungen stellen, arbeiteten auf den Kartoffel-, Mais-, Obst- oder Gemüsefeldern mit, besuchten Alphabetisierungsklassen, haben Brot gebacken, Tiere gefüttert, Körbe geflochten, Mais gebraten, Käse hergestellt und Kleider geschneidert. Die außerordentliche Gastfreundschaft trotz der Armut der Familien, die einfachen Häuser, die spärlichen Toiletten (meist nur ein Loch im Lehmboden mit zwei kleinen Steinplatten für die Füße), häufig keine Duschen, kein Strom oder fließendes Wasser, jeden Tag ein Reis-Nudel-gemisch mit Bohnen und natürlich die Sprachbarriere, das war schon eine Erfahrung wert.
In einer Evaluation des Erlebten verarbeiteten wir die neu gewonnenen Eindrücke und diskutierten über die Aspekte, Probleme und Gründe der Armut, der Ungerechtigkeit, der Missstände und der sich seit 50 Jahren kaum veränderten Lebensstandards auf den Dörfern, ebenso wie die Philosophie und Theorie der Entwicklungszusammenarbeit.
Den nächsten Tag luden wir Kinder und Jugendliche aus Dörfern rund um El Minia zu Spiel, Gesang und Basteln in die Jesuitenkommunität ein. Diese Kinder stammen aus sechs verschiedenen Dörfern, die in ein "Marginalized Villages Service"-Projekt der Jesuits' and Brothers' Association eingebunden sind, in dem nicht nur für ihr geistiges sondern auch ihr irdisches Wohlergehen gesorgt werden soll.
El Minia spielt, durch seine Lage zwischen Ober- und Unterägypten, für die antike und moderne Entwicklung Ägyptens eine zentrale Rolle. Um etwas über die historische Bedeutung der Gegend zu erfahren besuchten wir das archäologische Museum in Malawy und antike Sehenswürdigkeiten am Tuna Mountain, unter anderem einen sehr alten, mittlerweile versiegten Brunnen, Tempelruinen und Gräber.
Anschließend verbrachten wir drei Tage in Deir Abu Heines, einem Dorf im Süden der Provinz El Minia, in dem wir, durch kleine Schritte und Taten, die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung zu unterstützen suchten. Wir spielten mit Kindern, pflanzten Bäume, strichen Häuser, besuchten eine koptisch-orthodoxe Kirche aus dem 5. Jahrhundert und die Stelle, an der die Heilige Familie auf der Flucht vor Herodes genächtigt haben soll.
An unserem letzten Tag in El Minia besuchten wir die Virgin Mary Church auf dem Gabal El Tair, in Samalout, die von der Heiligen Helena gegründet wurde. Den Nachmittag verbrachten wir auf einem typisch ägyptischen Boot, einer Feluke, auf dem Nil und abends besichtigten wir ein weiteres Zentrum der Jesuiten für Kinder und Jugendliche in Gad el Sid, einem der ärmsten Viertel in El Minia.
Exodus auf dem Sinai
Auf unserem Weg zum Sinai stoppten wir kurz in Kairo und besuchten den Azhar Park, der früher eine Müllhalde war und der heute zu einer wunderschönen Grünanlage umfunktioniert ist. Dort genossen wir den Sonnenuntergang über Kairo und fuhren dann die Nacht durch auf die Sinai-Halbinsel.
Um mit Abuna Magdi SJ, der uns als geistlicher Begleiter auf den Sinai geleitete, in einer Kirchenruine über den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten zu meditieren, erklommen wir einen Berg, der zum Großteil nur aus Geröllhalden zu bestehen schien. Danach besuchten wir ein griechisch-orthodoxes Kloster und kamen schließlich nachmittags im Touristendorf des St. Katharinen Klosters an.
Am folgenden Tag besichtigten wir das historische und wunderschön gelegene Kloster. Nachts bestiegen wir, unter einem traumhaften Sternenhimmel, den Berg Sinai (2285m) über den Siket el Bashait, um von der Stelle, an der Mose die 10 Gebote entgegengenommen hat, den Sonnenaufgang zu genießen. Auf halber Höhe feierten wir einer Eucharistie inmitten der Berge, einen schöneren Platz kann man sich kaum vorstellen. Über 3750 Stufen mit einem wunderschönen Blick auf das St. Katharinen Kloster gelangten wir wieder ins Tal und begaben uns direkt nach Taba, um uns am Roten Meer von den Anstrengungen der Nacht zu erholen.
Kairo, eine bunte pulsierende verstopfte Megacity
Zum Abschluss verbrachten wir noch einige Tage in Kairo, der 17 Millionen Einwohner umfassenden Hauptstadt Ägyptens, um über das Erlebte und die Erfahrungen zu reflektieren und die pharaonische, christliche und moderne Geschichte Ägyptens zu erleben. Wir sahen die Pyramiden und die Sphinx in Gizeh, ritten auf Kamelen in die Wüste, besichtigten das Ägyptische Museum, die größte Moschee in Kairo (Al Azhar), Bazare und das christliche Viertel in Alt-Kairo.
Die vielen verschiedenen Erfahrungen und Eindrücke über Land und Leute, die wir zwischen Maisfeld, Steinwüste und Pyramiden sammeln konnten haben uns geprägt und waren sehr ernüchternd. Interkulturelle Zwickmühlen und Kulturschocks haben wir überwunden und uns von den Menschen und ihren Lebenssituationen berühren lassen, dadurch konnten wir die komplexe Realität zwischen Christentum und Islam, Armut und Reichtum erfahren und die Freude entdecken, die trotz aller Widrigkeiten in den Menschen steckt. [weiter zu Erfahrungen]





















