werkstatt weltweit > exposure reisen > Ägypten 2007 - Exposure and Exodus > Erfahrungen und Eindrücke > Erfahrungen Natalia Löster
Ägypten – ein Land, das mir bis vor unserer Exposurefahrt so unvorstellbar weit entfernt vorkam, wie die Zeit der Pharaonen.
Aus diesem Grund fiel es mir auch schwer konkrete Erwartungen gegenüber dem zu haben, was auf uns zukommen würde. Natürlich hoffte ich auf interessante Begegnungen, nette Menschen und vor allem gegenseitiges Verständnis, doch wollte ich mir auch keine falschen Illusionen über etwas machen, was sich womöglich als komplett falsch herausstellen könnte.
Doch schon unsere erste Minibusfahrt durch das verstopfte Kairo stimmte mich freudig auf die bevorstehende Zeit mit den Ägyptern – und ich bin nicht im Geringsten enttäuscht worden.
Ganz im Gegenteil: Wir hatten die Chance viele offene, interessierte und furchtbar freundliche und zuvorkommende Ägypter kennen zu lernen. Auch wenn es ab und zu durchaus zu Kommunikationsproblemen kam, was teils natürlich an der fehlenden gemeinsamen Sprachbasis, teils aber auch an den unterschiedlichen Wesen der Kulturen lag, werde ich vor allem jene Jugendliche vermissen, die zusammen mit uns die selben Erfahrungen (in den Familien, beim Streichen und Pflanzen, beim Singen und Beten, aber auch beim gemeinsamen beisammen sitzen und Spiele spielen sowie reden und essen) gemacht haben.
Es ist einfach wunderbar zu wissen, dass es auch so weit entfernt einen Tollpatsch wie John gibt, der schon mal gerne ausversehen Fenster rausreißt oder halbe Mauern einstürzen lässt – aber immer mit einem Grinsen auf dem Gesicht.
Oder aber Powerfrauen wie Mariam, die durchaus immer wusste, wie sie ihren Willen durchsetzen konnte. Bei rosaroten Outfits werde ich wohl in Zukunft nie mehr auf Harmlosigkeit schließen. Vorsicht ist besser als Nachsicht!
Auch die wunderschöne Stimme von Nesreen hat mir wieder einmal bestätigt, dass Musik, egal in welcher Sprache, Menschen miteinander verbinden kann.
Ich könnte wohl zu jedem Einzelnen meiner neuen Freunde (oder sollte ich Brüder und Schwestern sagen?) etwas Spezielles aufzählen, das ich niemals vergessen werde, doch würde das hier den Rahmen sprengen. Sicher ist jedoch, dass ich mich während der drei Wochen verändert habe und eine Menge Menschen, sowohl Deutsche, als auch Ägypter in mein Herz geschlossen habe.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so viele Erfahrungen sammeln konnte. Egal ob schockierend (wie etwa die extreme Armut und die hygienischen Zuständen in den Dörfern) oder überwältigend (die Lebensfreude gerade jener Menschen, die nichts haben), alle Erfahrungen und Eindrücke haben sich mir fest eingeprägt und machen mich, glaube ich zu einem anderem, vielleicht offenerem und weniger eigensinnigen Menschen. Denn genau diese Fähigkeiten sind es, die in unserer Gesellschaft leider schnell abstumpfen.
Daher danke ich allen, die uns diese Reise ermöglicht haben, vor allem natürlich jenen auf ägyptischer Seite. Tamer, Mario, Mister Magdi, Father Magdi, Toni und natürlich Misch Misch und Susanna – denn ohne sie und auch ohne diejenigen, die ich vielleicht gerade vergessen habe, wäre das alles gar nicht möglich gewesen.
In diesem Sinne: God is good – all the time!
Natalia Löster







